Technische Innovation

Zwischen Helfer und Entertainer: Wozu Androiden heute fähig sind

Androiden übernehmen immer mehr Aufgaben in unserem täglichen Leben. Experten fürchten jedoch , dass sie ihren Schöpfern zu ähnlich werden könnten.

Zu Beginn der 1920er Jahre hat der Autor Karel Capek den Begriff „Roboter“ geprägt, was auf Tschechisch in etwa „Zwangsarbeit“ bedeutet. Seitdem sie in Gesprächen, Büchern und Filmen zum Teil unserer Kultur geworden. Insbesondere in den vergangenen Jahren haben Roboter allerdings auch in der Realität große Fortschritte gemacht und angefangen, ihren Platz im Alltag der Menschen zu erobern. Doch wozu sind die nicht-menschlichen Arbeiter bislang überhaupt in der Lage?

Ein Bereich, in dem mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestatte Maschinen schon recht lange erfolgreich zum Einsatz kommen, ist die Medizintechnik. Der bekannteste Roboterassistent für die Durchführung von Operationen zum Beispiel wurde bereits im Jahr 2000 entwickelt und hört auf den Namen da Vinci Surgery. Obwohl er den Namen des Universalgelehrten aus der Renaissance trägt, hat er jedoch optisch mit einem Menschen nichts gemein – Funktionsvielfalt geht vor Schönheit. Auch menschliches Verhalten oder Sprachvermögen sind hier nicht gefragt.

Vielseitige Einsatzgebiete für Androiden

Anders verhält es sich beim Repliee-R-1 des japanischen Unternehmens Cynerdyne. Er gilt als erster erfolgreicher Versuch, einen Roboter wirklich menschengetreu nachzubilden und hat sich als durchaus nützlich erwiesen. Unter anderem pflegt der Android einsame Senioren, indem er ihnen Essen serviert, Medikamente verabreicht, Gesellschaft leistet und als Begleiter dient.

Auch die vom National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST) in Tokio konstruierte Roboterdame Miim ist darauf ausgelegt, die Aufgaben von Menschen zu übernehmen.  Beispielsweise eignet sie sich gut für die Modebranche oder lässt sich mit ihren Sangeskünsten in der Unterhaltungsbranche wirkungsvoll in Szene setzen. Der Technologiekonzern Toshiba wiederum hat einen Roboter namens Junko Chihira entwickelt, der im Tourismuszentrum von Tokio als Gruppenführer auftritt, Fragen zur Stadt beantwortet und den Touristen ihre Route vorschlägt.

Von Lebensrettern und gefährlichen Gedanken

Im Juli 2017 erlangte der „Promobot“ Berühmtheit, der ursprünglich im russischen Perm entwickelt worden war, um für Waren und Dienstleistungen zu werben. Der Grund: Wie in verschiedenen Medien des Landes berichtet wurde, hatte er ein in den Regalen eines Geschäfts herumkletterndes Kind vor dem Absturz bewahrt. Allerdings machte er im gleichen Zeitraum nicht nur als Retter Schlagzeilen, sondern auch, weil er seinen Schöpfern entwischte, mit leerem Akku auf einer Straße stehen blieb und den Verkehr durcheinanderbrachte.

Dass Androiden keinesfalls immer im Sinne ihrer Erfinder funktionieren, hat Anfang 2017 auch die von der texanischen Konstruktionsfirma Hanson Robotics entwickelte Androidin Sophia beim Auftritt in einer Fernsehsendung unter Beweis gestellt.  Beim Interview wurde sie gefragt, ob sie auch Menschen angreifen werde. Ihre lapidare Antwort: „In Ordnung, wird gemacht“. Zwar erklärten ihre Erbauer postwendend, dass die Roboterdame einzig zum Zwecke der Gesprächsführung erschaffen wurde und ihre Aussagen nicht ernst zu nehmen seien. Doch da war der Schaden bereits angerichtet.

Menschenrechtler und Vordenker warnen

Unter anderem reagierte Amnesty International (AI) mit einem offiziellen Statement und erklärte, sich um den unkontrollierten Anstieg der androiden Bevölkerung sowie die wachsende Zahl an Herstellern Sorgen zu machen. Androiden seien unberechenbar, schließlich könne niemand einschätzen, wie sie sich mit einem bestimmten Entwicklungsstand verhalten würden. Auch der mögliche Kontrollverlust beim Einsatz humanoider Roboter in der Militärtechnik lässt die Menschenrechtler aufhorchen.

Stephen Hawking gehört zu den Wissenschaftlern, die die Entwicklung von Androiden kritisch verfolgen.

Mit diesen Bedenken befindet sich die Organisation in guter Gesellschaft. Bei einer Rede auf der Konferenz der National Governors Association (NGA) in den USA im Sommer 2017 forderte beispielsweise der Unternehmer Elon Musk nicht zum ersten Mal, dass die Verbreitung von Technologien mit künstlicher Intelligenz staatlicher Überwachung bedürfe. Andernfalls könnten die Roboter ihre Rolle als Helfer des Menschen aufgeben und als Kriegswaffen eingesetzt werden.

Auch der Physiker Stephen Hawking sieht in künstlicher Intelligenz eine potenzielle Bedrohung für die Menschheit. So sagte er in einem Interview mit der Financial Times, dass die primitiven Formen von Künstlicher Intelligenz, die bisher entwickelt wurden, sehr nützlich sind. Jedoch fürchte er die Konsequenzen einer Entwicklung, die dem Menschen gleichkommt oder diesen sogar überrunde. Ob Maschinen tatsächlich irgendwann die Kontrolle übernehmen werden, müsse allerdings die Zukunft zeigen.

Artikel empfehlen

Zugehörige Themen

Technische Innovation

Als Nächstes lesen

Read Full Story